Es begann in der Brennerei Badorf

Die Geschichte des T. C. "Rheintreu" Friesheim beginnt im Jahre 1927. In diesem Jahr trafen sich einige Musik liebende junge Männer in der Brennerei Badorf. Auf die Initiative von Theodor Huth und Franz Laufenberg wurde das Tambourcorps Friesheim unter dem Namen "Rheintreu" aus der Taufe gehoben. Zwar gab es vor 1927 in Friesheim schon eine lose Vereinigung von Spielleuten, die aber nicht als geschlossener Verein auftraten. Bei der Gründung umfasste das Corps 15 Mitglieder. Anfang der 30er Jahre waren es schon 25 Spielleute.

Die große Trommel wurde ausgeliehen

Doch bekanntlich ist aller Anfang schwer. So sahen sich auch die Mitglieder vor die Aufgabe gestellt, Instrumente und Zubehör beschaffen zu müssen. Geld war keins vorhanden und so wurden alte Trommeln neu bespannt und alte Flöten wieder aufpoliert. Eine große Trommel wurde bis in die 30er Jahre bei den jeweiligen Auftritten geliehen. Uniformen gab es ebenfalls noch nicht. Um aber auf nach außen hin Zusammengehörigkeit zu demonstrieren, trugen die aktiven Mitglieder eine blaue Mütze mit weißem Überzug.

Geprobt wurde bei gutem Wetter meistens in Gottes freier Natur. Sonst wurde bei Mitgliedern oder anderen friesheimern Bürgern geübt. Getrommelt wurde bei den Proben nur auf dem Tisch oder auf einem Stuhl, da für neue Felle kein Geld vorhanden war.

Aus der alten Satzung ist zu ersehen, dass die Mitglieder zur damaligen Zeit monatlich 0,25 RM (Reichsmark) Mitgliedsbeitrag zu zahlen hatten. Öffentliche Auftritte des Corps gab es zu Karneval, zum Schützenfest, zum Waldfest und beim Martinszug. Aber nur die Schützenbruderschaft zahlte damals für drei Tage 25,00 RM (Reichsmark) So kamen dann nach und nach einige Mark zusammen und zum Schützenfest 1930 konnte sich das Corps in der ersten neuen Uniform präsentieren.

Sie wurde von Schneidermeister Nikolaus Decker aus Friesheim angefertigt. Die blaue Mütze mit weißem Überzug kostete damals vier Mark, der Rock nach Maß 16 Mark, die Schwalbennester vier Mark und die weißen Hose ebenfalls nach Maß vier Mark. Die Musiker mussten die Uniform selbst bezahlen. Dank der Großzügigkeit des Schneidermeisters Decker konnten sie dies jedoch in Raten tun.

Mit Pferd und Wagen zu den Auftritten

Anfang der 30er Jahre wurden auch die ersten Wettstreite besucht. Man wetteiferte damals noch nicht um Orden oder Pokale, sondern um Sammeltassen, Teller und sonstige Porzellansachen. Allerdings wurden diese nicht immer heil nach Hause gebracht. Die Auswahl der Beförderungsmittel war zu dieser Zeit nicht groß. Auswärtige Feste wurden mit Pferd und Wagen, aber auch mit einem Planwagen, gezogen von einem Esel des Peter Badorf aus Friesheim, besucht. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass das eine oder andere so eben mühsam errungene Ehrengeschenk auf der Heimreise zu Bruch ging.

So entwickelte sich der Verein stetig aufwärts, bis der 2. Weltkrieg des Vereinsleben zum Erliegen brachte.

1945: Neuanfang nach dem Krieg

Ende 1945 formierte ich das Tambourcorps neu. Wieder war es Theodor Huth, der die Initiative ergriff. Viele ehemalige Mitglieder kehrten nicht mehr aus dem Krieg zurück, waren gefallen oder vermisst. Neue Spielleute mussten gefunden und angelernt werden. Die Instrumente durch Kriegseinwirkung zum größten Teil unbrauchbar, wurden repariert. Dabei wurden Ziegenfelle selbst gegerbt und die verbliebenen Trommeln damit neu bespannt. Dennoch konnte schon 1946 wieder erstmals öffentlich aufgetreten werden. So zum Beispiel bei der Heimkehr der Kriegsgefangenen am Friesheimer Bahnhof.

Unter dem Vorsitz von Theodor Huth, der auch gleichzeitig als Tambourmajor fungierte, nahm der Verein wieder Aufschwung.

Im August 1956 verstarb Theodor Huth, leider viel zu früh. Er legte zweimal, 1927 und 1945, die Grundsteine für eine stete Aufwärtsentwicklung des Tambourcorps. Nach seinem Tode übernahm Leonhard Badorf den Vorsitz des Vereins. Er war schon 1927 als 14jähriger bei der Vereinsgründung dabei. Neuer Tambourmajor wurde Willi Ochmann.

Unter der neuen Führung wurden viele musikbegeisterte Jugendliche in den Verein aufgenommen und ausgebildet. Neue Instrumente und Uniformen konnten dank der Unterstützung der damaligen Gemeinde Friesheim und des Bürgermeisters Erich Schramm beschafft werden. Bald präsentierte sich ein leistungsstarkes Corps, das wesentlich Einfluss auf das kulturelle Leben der Gemeinde Friesheim nahm.

1. Platz im Amsterdamer Ajax-Stadion

Seit 1970 nahm das Corps wieder an zahlreichen Musikfesten und Wettstreiten teil. Hier konnten in all den Jahren viele erste Plätze und Ränge erreicht werden. Auch international sammelten die Friesheimer Musiker schon Erfahrungen. So wurde 1971 unter der Führung das damals neuen Tambourmajors Heinz-Adolf Cöln bei einem internationalen Wettstreit im Amsterdamer Ajax-Stadion ein erster Preis errungen. Bei dem ersten Treffen der neuen Partnerstädten Viry-Chatillion und Erftstadt spielte das Tambourcorps im Juni 1980 gemeinsam mit den französischen Kollegen der "Harmonie" Munipale zum Festakt auf. Weitere Treffen und Auftritte waren bei den befreundeten Musikvereinen aus Herrlen/NL und Reventin-Vaugris/F. Seit nunmehr 30 Jahren gestaltet das T. C. "Rheintreu" Friesheim selber im Rahmen der Friesheimer Kirmes jährlich am ersten Sonntag im Oktober ein großes Tambour- und Musikfest. Hier nahmen stets zahlreiche befreundete Tambour- und Fanfarencorps sowie Musikvereinen teil.

Ein Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist das Jubelfest zum 50jährigen Bestehen des Vereins, das im Oktober 1977 gefeiert wurde. Im Rahmen dieses Festes wurde gleichzeitig das erste Kreismusikfest der vereinigten Spielmanns- und Fanfarenzüge des damals neu gegründeten Erftkreises veranstaltet. Im Jahr 1987 wurden hier sogar gemeinsam das Kreismusikfest des Erftkreises und das Kreistambourfest des Bundes der Spielmannszüge des Kreises Euskirchen durchgeführt.

1980: Das erste weibliche aktive Mitglied

Ende der 70er Jahre wurde die Mitgliederzahl immer geringer. Man musste sich etwas einfallen lassen, um die Spielfähigkeit des Vereins aufrecht zu erhalten. Seit seiner Gründung bestand das T. C. "Rheintreu" Friesheim nur aus männlichen Spielleuten. So grenzte es fast an eine Revolution, als im Jahre 1980 Melanie Steinheuer als erstes weibliches aktives Mitglied aufgenommen wurde.

Zwar stieß dies auf größte Bedenken des damaligen Verstandes, doch sah man sich angesichts der knappen Personallage gezwungen, auf ein bis dato ungenutztes Potential von neuen Musikern zurückzugreifen. Dass diese Entscheidung, die damals auch in vielen anderen Vereinen erstmalig getroffen wurde, bis zum heutigen Tage wesentlich zum Fortbestand der Spielleutemusik beigetragen hat, zeigt ein Blick auf die Geschlechterverteilung im Verein. Heute flöten im T. C. "Rheintreu" Friesheim nur noch weibliche Spielleute.

1981: Ein eigenes Vereinsheim

Ein lange gehegter Wunsch aller Spielleute war immer, ein eigenes Vereinsheim zu besitzen, um unabhängig von fremden Proberäumen zu sein und auch Feierlichkeiten in den eigenen vier Wänden abhalten zu können. Im Jahr 1981 war es dann soweit. Auf Veranlassung des damaligen Vizelandrats Heinrich Hißler wurde ein ausrangierter Schulpavillon der Kreisberufsschule in Kerpen-Horrem für den horrenden Verkaufspreis von einer ganzen DM an das T. C. "Rheintreu" Friesheim vergeben. Gleichzeitig beantragte der damalige Ortsvorsteher Hans Kadner im Erftstädter Rat ein Grundstück am alten Sportplatz für den Aufbau des Pavillons kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Mit dem Aufstellen des Pavillons an seinem neuen Standort in Friesheim war aber noch längst nicht alles getan. Denn nun mussten triste Klassenzimmer in ein gemütliches Vereinsheim verwandelt werden. Nur durch viel Fleiß und enorme Mühen, die die zahlreichen Mitglieder in ihrer Freizeit über mehr als ein Jahr in ihr Projekt "Tambourheim" investierten, konnte aus dem ehemaligen Schulgebäude ein ansprechende Heimstatt für die Musiker des T. C. "Rheintreu" Friesheim werden. Im Jahre 1982 fand die feierliche Einweihung des Vereinsheims, das ohne weitere Zuschüsse aufgebaut wurde, statt.

Leonhard Badorf für Verdienste geehrt

Leonhard Badorf spielte als aktiver Trommler 40 Jahre lang im Verein mit. Durch sein Bemühen und selbstlosen Einsatz konnte er das Corps, besonders in den 60er Jahren durch alle Höhen und Tiefen leiten. Für die Leistungen im Verein und sein Engagement im Spielmannswesen wurde er am 18. Dezember 1984 mit der Verdienstmedallie des Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland vom damaligen Landrat Klaus Lennarzt im Kreishaus in Hürth ausgezeichnet. Eine weitere hohe Auszeichnung erhielt Leonhard Badorf beim Jubiläumsfest 1987 für 60 Jahre treue Mitgliedschaft im Verein. Er verstarb am 13. März 1989 im Alter von 75 Jahren. Über 33 Jahre hinweg leitete er die Geschicke des Vereins. In seine Fußstapfen trat der damals selbst erst 35jährige Ludwig Mohlberg, der sich bis heute aber als würdiger Nachfolger erwiesen hat.

Seit den Anfängen im Jahre 1927 gab es bisher nur drei 1. Vorsitzende. Dass die ersten beiden Vorsitzenden des Vereins beide erst mit dem Tode ihr Amt verloren, zeigt wie viel Glück der Verein mit Besetzung der Führungsposition hatte. Jeder Vorsitzende konnte den Verein durch eine stetige Führungsarbeit prägen und kontinuierlich fortentwickeln.

Mit der Wahl von Ludwig Mohlberg zum bis heute amtierenden ersten Vorsitzenden hat der Verein einen weiteren Glücksgriff getan. Auch er wird den Verein sicher noch viele Jahre leiten.

Unter einem verjüngten und tatkräftigen Vorstand widmet sich der Verein heute verstärkt der modernen Spielleutemusik. Er konnte damit viele jugendliche Musiker werben und auch über regionale Erfolge feiern.

Heute

Heute präsentiert sich das T. C. "Rheintreu" Friesheim 1927 e. V. als modernes Spielleuteorchester. Dies ist das bisherige Ergebnis einer langjährigen Entwicklung mit allen Höhen und Tiefen. Das der Verein trotz seines langen Bestehens stets jung geblieben ist, zeigt nicht zuletzt die große Anzahl Jugendlicher und junger Erwachsener, die mit Ihrem Engagement für den Verein für die nötige Frische sorgen.

Das musikalische Repertoire reicht heute von traditionellen Märschen über flotte Polkas bis hin zu Filmmusiken und lateinamerikanischen Rhythmen. Das Instrumentarium besteht hauptsächlich aus den bewährten Spielmannsflöten/-trommeln und Lyren, doch wurde es schon vor längerer Zeit durch vielfältige Rhythmusinstrumente und seit 1996 durch ein Marimba ergänzt.

Auftritte hat der Verein sowohl bei Schützenfesten in der näheren Umgebung, als auch bei Musikfesten oder musikalischen Wettbewerben in Nah und Fern. Dabei steht neben der Musik stets auch die Geselligkeit im Vordergrund.